Der Infoblog von Carsten Joost

Willkommen auf meinem Infoblog. Ich möchte hier hauptsächlich versuchen, die rufschädigenden Vorgänge rund um „Mediaspree Versenken“ aus meiner Sicht aufzuklären. Die „Vorwürfe“ waren absurd und unhaltbar und hauptsächlich dazu geeignet, den politischen Kurs der Spreeuferkampgagne von einer offenen Beteiligungsform mit Ideenaufrufen und -werkstätten zurück in das linksradikale Fahrwasser der Gründungszeit zu bringen. Das ist gelungen: Sämtliche Beteiligungsverfahren sind von der Webseite getilgt und die Kampagne ist zusammengeschrumpft. Schade.
Die Spreeufer beschäftigen mich natürlich nach wie vor. Andere Arbeitsschwerpunkte sind dazugekommen:
Seit Februar 2012 bin ich als parteiloser Bürgerdeputierter in der Piraten-Fraktion des Stadtplanungsausschusses Friedrichshain-Kreuzberg aktiv. Dazu gibt es einen weiteren Info-Blog, den ich demnächst mal bestücken werde: http://stadtplanungsausschuss.blogsport.de/
Desweiteren konnte ich endlich meine Mitarbeit im Bürgerverein Travekiez-Ostkreuz e.V. intensivieren. Rund um das Ostkreuz, wo ich auch wohne, passiert gerade sehr viel.
Infos dazu:
Bürgerverein Travekiez-Ostkreuz e.V.: http://www.traveplatz-berlin.de/
Planungen Block 74 – Freudenberg-Areal: http://block74.traveplatz-berlin.de/
Ideenaufruf zum Umbau Ostkreuz: http://ostkreuz.traveplatz-berlin.de/
.
.
.
.

Was ist passiert bei Mediaspree Versenken?
Am 8. März 2012 haben Jörg Morzynski, Susanne Hammer und Paul-Martin Richter namentlich eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie schwere Vorwürfe gegen mich erhoben. Von „unsachgemäßer sowie intransparenter Kassenführung“ war die Rede. Ausserdem hätte ich Anfragen und Gelder der Initiative vorenthalten.
Meinen Teil der Kampagnenkasse wurde daraufhin geprüft und wurde – auch von den o.g. Peronen – als in Ordnung befunden. Anders sieht es leider mit der Merchandise-Kasse von Jörg Morzynski aus, die relevante Fehlbeträge auswies. Auch das weiß jeder der Beteiligten.
Dass ich in strikter Trennung zu meiner Kassenverwaltung gelegentlich auch persönliche Aufträge für Stadtführungen, Buchartikel oder Vorträge bekam, war weder ein Geheimnis noch besonders umstritten in der Initiative. Es wäre auch grotesk gewesen, wenn zum Dank für meine ehrenamtliche Arbeit für mich als Freiberufler (wie von den dreien nachträglich gefordert) eine Art Berufsverbot bestanden hätte – alle Engagements zum Thema Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung seien Sache der Initiative und Gelder seien abzuführen.
Dass solche persönlichen Anfragen über die Initiativenadresse agspree@gmx.de kamen und die Abwicklung darüber liefen, sehen die Kritiker als höchst verwerflich an. Sicher, das hätte man auch anders machen können. Aber das führte dazu, dass alles transparent geblieben ist. Alle Vorgänge waren dadurch nachvollziehbar und einige hatten den Zugang zur Mailadresse, wie eben Jörg Morzynski auch. Sonst hätte er die rund 14000 Mails nicht kopieren und auswerten können.
Es ist nach wie vor eine große Tragödie, dass es am 8. März nicht zu dem verabredeten klärenden Treffen kam, sondern stattdessen die verheerende Pressemitteilung an tausende Empfänger rausging. Verhindert wurde das Treffen, das die Schmutzkampagne durchaus hätte verhindern können, von Paul-Martin Richter. Dieser hatte sich zwei Tage nach der Versendung der Presseerklärung plötzlich aus allem herausgezogen und ließ die anderen beiden „im Regen“ stehen. Mittlerweile wird Paul-Martin Richter mit der Teilnahme an der Durchführung des „Forum Stadtspree“ reich belohnt.

Fazit und Ausblick

Es gibt keinen Beschluss der AG Spreeufer, denn die „Rausschmissinitiative“ wurde von drei schon länger nicht mehr Aktiven im Geheimen an der Gruppe vorbei vollzogen. Dennoch muss ich betonen, dass ich seit dem 08.03.2012 mit den Aktivitäten der jetzigen „Initiative Mediaspree versenken“ rund um Jörg Morzynski nichts mehr zu tun habe.
Der politische Schaden durch den Alleingang einzelner, der zu einem presseöffentlichen Hohn auf das bürgerschaftliche Engagement geführt hat, wird weder dadurch gelindert, wenn man einerseits so tun will, als wäre nichts gewesen, noch durch die Verbreitung immer neuer Behauptungen über mich, um eben doch irgendwie Recht gehabt zu haben.
Die AG Spreeufer, die den Bürgerentscheid und die jahrelange Kampagne „Spreeufer für alle!“ sowie den „Ideenaufruf Kreuzberger Ufer“durchgeführt hat, gibt es in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr. Fast alle Aktiven haben sich von der Mitwirkung bei „Mediaspree Versenken AG Spreeufer“ zurückgezogen.
Als erste „Amtshandlung“ hat Jörg Morzynski auf der Initiativen-Webseite alle Partizipationsprojekte gelöscht – die Ideenwerkstätten und unseren „Ideenaufruf Kreuzberger Ufer“. Dennoch besuchte er konsquent die Folgetreffen des Ideenaufrufs, ganz offensichtlich um zu verhindern, dass dort etwas mit mir weitergehen könnte.
Es stellt sich die Frage: Wie weiter mit dem Bürgerentscheid, der durchaus einige genauso behutsame wie leidenschaftliche Aktivisten braucht? Über einen Ideenaustausch mit Interessierten wäre ich erfreut. carsten-joost@gmx.de
Zu den persönlichen Vorwürfen habe ich in meiner Erklärung (unten) meine Position dargestellt.

Persönliche Erklärung vom 10.03.12

Erst einmal vielen Dank an die vielen Menschen, die diese öffentliche Zurschaustellung eines internen Konfliktes ebenso ablehnen wie ich – die mir Kraft gewünscht haben und es sich auch nicht vorstellen können, dass ich mein politisches Engagement übermäßig mit finanziellen Interessen verknüpft hätte. Wenige Tage nach dem Pressewirbel hat sich einer der drei „Alleingänger“, die die schweren Vorwürfe erhoben und an der Gruppe vorbei meinen „Ausschluss“ öffentlich verbreitet haben, aus dem Kreis zurückgezogen – der maßgebliche Initiator Paul-Martin Richter.

Zum politischen Amoklauf in Sachen Spreeufer

Zum besseren Verständnis der gegen meinen Willen und den der Gruppe viel zu öffentlich geführten Debatte um meine persönliche Rolle in der Spreeuferkampagne möchte ich hier einen kurzen Abriss über die Initiativengeschichte hinsichtlich der bewegungsinternen Kritikkultur darlegen. Ich hoffe, damit einen wertvollen Beitrag zum politischen Klima in der Stadt und dem Ansehen der jahrelangen Arbeit der Initiative und meiner Person leisten zu können.

Die kleine Geschichte einer gebremsten Initiativenarbeit

Neben der breiten Unterstützung in den Kiezen gibt es seit Jahren auch Kritik am politischen Kurs der AG Spreeufer des Initiativkreises Mediaspree Versenken. Vielen werden manche Punkte sicherlich bekannt vorkommen:

– bei der Kampagne ginge es nur um Architektur oder gar Mediaspree zu verbessern und nicht um soziale Belange
- nach unserem Bürgerentscheid sollten wir aufhören, ihn ernsthaft umsetzen zu wollen und es bei der Presseaufmerksamkeit belassen, zurück auf die Straße!
- der Bildung des Sonderausschuss Spreeraum hätte man nie zustimmen und ihn dann am besten gleich wieder verlassen sollen
- die ernsthaften und teils harten Verhandlungen mit Eigentümern und Politikern im Ausschuss seinen Klüngeleien mit der Gegenseite
- angeblich sei wegen unserer Ausschussarbeit der Druck der Straße erlahmt, obwohl wir parallel dazu Demonstrationen mit tausenden Teilnehmern mitorganisierten sowie zahlreiche andere Aktionen durchführten. Zu ihnen und den öffentlichen Ausschusssitzungen an der Spree wurde mehr oder weniger offen demobilisiert
- dann wurden wir als unkritische Baugruppen-Fans dargestellt, für die der Bürgerentscheid verhandelbar und sogar egal geworden sei
- unser Ideenaufruf Kreuzberger Ufer wurde irreführend kommentiert, als wären sämtliche eingereichten Arbeiten Vorschläge der Initiative und kein offenes Beteiligungsverfahren – manche Teilnehmer haben näher ans Ufer geplant als der Bürgerentscheid es zulassen würde
- zuletzt wurde unsere Initiative im Internet kleingeredet und die Aktiven als quasi meine „Büttel“ lächerlich gemacht

Wenn es die gegen den Willen der Gruppe abgeschaltete Webseite noch gäbe, dann könnte man zur Erinnerung die Positionen und das Handeln der AG Spreeufer nachlesen. Ein Teil davon ist als Rückschau über den Link in der rechten Spalte zu finden.

Richtig ist, dass wir als Initiatoren des Bürgerentscheids aus den 16.500 Unterschriften und den 30.000 Wahlunterstützern einen klaren Auftrag zur ernsthaften Umsetzung eines Spreeufer für alle ableiteten. Wir haben aber auch mit Wohlwollen die Aktivitäten anderer Strömungen als ebenfalls wertvollen Beitrag zum Gesamtkunstwerk gesehen. Dieses solidarische Verhältnis vermissten wir von der vermeintlichen „Gegenseite“ innerhalb der Bewegung.

Unsere konstruktive, kreative und anschlussfähige Ausrichtung wurde über Jahre von außen immer wieder gestört und Mitstreiter und Interessierte zur Aufgabe der Mitarbeit überredet. Dabei diente stets die fortwährende Kritik an meiner Person als Mittel: karrieristisch, undemokratisch, selbstherrlich, monopolistisch und nun auch sich bereichernd. Als ich mich bei einem Treffen von einem Fundamentalkritiker derart persönlich provoziert fühlte, dass ich bedauerlicherweise aufgestanden war und eine für ihn bedrohliche Haltung eingenommen hatte, konnte man mich endlich sogar als „Gewalttäter“ stilisieren.

Es ist fast ein Gesetz: Wer viel macht, kann auch leicht angegriffen werden. Und viel Arbeit ist nicht zuletzt auch deshalb an mich gefallen, weil die zeitraubenden ständigen Diskussionen um die politische Ausrichtung viele Gruppenaktive verunsichert und manchmal zur Aufgabe bewogen haben, was sehr schade war.

Dabei waren wir all die Jahre auch ein Demokratieexperiment: Alle Treffen waren offen und neue Mitstreiter konnten ohne Umwege Verantwortung übernehmen, wenn sie wollten. Es gab keine Posten außer dem Anspruch, mindestens zwei Öffentlichkeitsarbeiter „vorne“ zu haben, was auch lange funktionierte. Nie wollte ich alleine im „Rampenlicht“ stehen und es war für mich ein Genuss mitanzusehen, wie neue Leute an ihrer aktiven Teilnahme am Prozess wuchsen. Entscheidungen wurden fast grundsätzlich ohne Abstimmungsprozedur im Konsens getroffen, oder so als Kompromiss, dass auch die Minderheiten damit leben können. Das hohe Arbeitstempo der ersten Jahre hat allerdings auch zu Stress und Verstimmungen geführt. Seit dem ersten großen Konflikt darüber habe ich aber mit daran gewirkt, dass das Tempo heruntergefahren wird und Entscheidungen „entschleunigt“ werden. Erwähnenswert ist aber auch, dass wir Kritik immer den vollen Raum gegeben haben, bis an die Grenze der Belastung.

Aktuell waren wir, die Aktiven der AG Spreeufer und Ideenaufruf dabei, unseren Ausstieg aus dem Initiativkreis Mediaspee Versenken vorzubereiten und uns als „Spreeufer für alle e.V. (in Gründung)“ neu aufzustellen. Wir wollten endlich einen Schlussstrich unter die ewigen Anfeindungen ziehen und das zwar geliebte, doch etwas in die Jahre gekommene Label „Versenken“ ablegen. Leider verhindert die jüngste Eskalation diesen politisch sauberen und nach vorn gerichteten Übergang.

Nun hat der ehemalige Mitaktive Jörg Morzynski seinen Zugang zum zentralen Emailaccount dazu missbraucht, sich sämtliche Verteiler anzueignen sowie die jahrelange Mailkorrespondenz herunterzuladen. Aus dem Inhalt meint er eine Unterschlagung von „Spendengeldern“ ableiten zu können. Unter Androhung der Veröffentlichung von Auszügen persönlicher Mailinhalte versuchte er mich dann zu einem „freiwilligen“ Austritt aus der Initiative zu nötigen. Vorausgegangen war seine persönliche Ansage mir gegenüber viele Wochen zuvor, mich aus der Initiative herausdrängen zu wollen – ich würde das mal als Mobbing bezeichnen.

Zu den „Spendengeldern“ kann ich mit Fug und Recht sagen, dass das Honorare für höchst individuelle Leistungen (Fachvorträge, Führungen, Podiumsdiskussionen) meinerseits waren, für die ich von z. B. Instituten und Stiftungen persönlich angefragt wurde. Solche persönlichen Anfragen entstehen immer dann, wenn eine öffentlich relevante Bewegung ein „Gesicht“ bekommt. Solche Engagements waren auch nie ein Geheimnis und wurden mit Aktiven kommuniziert. Man hätte aber wenigstens ab und zu bei unseren Treffen sein sollen, um informiert zu sein. Man hätte dann auch mitbekommen, dass sich unser interner Diskurs in die Absicht entwickelt hatte, mit der Selbstausbeutung aufzuhören und nach Wegen zu suchen, wie man die Initiativenarbeit stärker mit monetären Anerkennungen für die einzelnen verbinden kann.

Neben Engagements meiner Person als eine Art Experte für angewandte experimentelle Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung gab es auch honorierte Anfragen an die Gruppe, die wir gerne zusammen wahrnahmen und uns u.a. bis nach Barcelona brachten. Wenn allerdings ein Buchartikel oder die Vorbereitung und Durchführung eines Vortrags allein meine Arbeitsleistung ist, dann ist es meiner Auffassung nach nicht angebracht, von einer Unterschlagung des Honorars an die Initiativenkasse zu reden.

Seit über fünf Jahren arbeite ich mit hoher Intensität und Zeit- und Nervenbelastung an der Rettung der Spreeufer vor der Bauspekulation. Daneben bin ich noch in weiteren Initiativen tätig, was dazu führt, dass man mich gerne als „Vollzeitaktivist“ bezeichnet. Das ist ein leider viel zu seltener Lebensentwurf, weil sich die Mehrzahl der Bevölkerung verständlicherweise für klassische Wege wie Familie und Beruf/Karriere entscheidet. Ich persönlich habe die mögliche Karriere als Architekt mit der Initiativenarbeit getauscht. In der Architekturbranche dennoch in Lohnarbeit zu kommen ist mir als semiprominenter Kritiker der Branche letztendlich weitgehend verbaut, wie ich in manchen Fällen feststellen musste, die mir interessant erschienen. Die zusätzlichen Unkosten, die durch rund-um-die-Uhr-Terminstress entstehen und die Infrastruktur meines „Heimbüros“ sind durch meine geringen Transferbezüge nicht ausreichend gedeckt. Somit war ich immer froh, wenn es eine Fachanfrage gab, für die ich eine Aufwandsentschädigung bekam.

Wenn man mir im öffentlichen Ansehen schaden will, dann kann man auch Grenzbereiche herausfiltern und konstruieren. Ein solcher Grenzbereich wäre, die Bitte um eine Aufwandsentschädigung mit dem Finanzbedarf der Initiative zu begründen, was aber meines Wissens nach eher universitäre Anfragen nach Führungen anging und daraus auch eher unbezahlte Tätigkeiten entstanden. Die vielen größeren oder kleineren Führungen und Meetings – meiste auf dem YAAM-Strand – fanden alle statt, auch wenn es dafür keine Aufwandsentschädigung gegeben hat. Allerdings konnte ich leider selten die Mitstreiter motivieren, solche schönen, aber auch anstrengenden Termine zu übernehmen und meist ist leider auch diese Arbeit größententeils an mir hängengeblieben.

Meine Führung unserer bescheidenen Initiativenkasse verlief bisher weitgehend beanstandungslos – mal abgesehen davon, dass ich wesentlich mehr Zeit und Energie in das Akquirieren von Spenden und die Verwertung des Geldes im Kampagnentrubel investierte als in eine professionelle Buchführung.

Um Kenntnisnahme, worauf sich die Vorwürfe konkret beziehen sollen, habe ich bislang vergeblich ersucht. Dazu kommt nun die Verbreitung eines Rausschmissbeschlusses, den Jörg zusammen mit zwei anderen ehemaligen Aktiven völlig an der Gesamtgruppe vorbei verabschiedet hat. Erst ein Tag darauf wurde der Kreis unserer AG Spreeufer über den Vorgang informiert und es herrschte Entsetzen über den „Beschluss“ und über eine derartig öffentliche Schmutzkampagne.

Mir ist diese öffentliche Nabelschau absolut zuwider und ich hoffe, dass der interne Konflikt wieder dahin zurückkehrt, wo er hingehört. Ich hoffe, bei dieser Gelegenheit aber auch über für die Öffentlichkeit interessante Dynamiken des politischen Handelns auf dem schwierigen Berliner „Parkett“ berichtet zu haben.

Bemerkenswert finde ich, wieviel Raum es in den Medien für unsere Initiativenarbeit gibt, wenn es um interne Skandale geht. Informationen über unsere politische Arbeit – wie z.B. unser außergewöhnliches Beteiligungsverfahren „Ideenaufruf Kreuzberger Ufer“ – waren in der jüngsten Vergangenheit aber nahezu komplett der Öffentlichkeit vorenthalten worden.